Wissensbank für Medien & Kommunikation

Medienwahlkampf: Bundestagswahl Deutschland 2017.

Von Prof. Dr. Alfred-Joachim Hermanni

13.06.2017


Merkel und Schulz ringen im Internet um Stimmen. Beeinflussen Propaganda-Algorithmen die Inhalte, die uns soziale Medien wie Facebook & Co. präsentieren?

Seit den 1980er Jahren werden in Deutschland die Wahlkämpfe nach US-Vorbild personalisiert, mediatisiert und professionalisiert. Mit der Amerikanisierung werden die Wahlkämpfe auf einzelne Personen ausgerichtet, die Wahlkampfinhalte durch die Medien bekannt gemacht und die Wahlkampfkampagnen von professionellen Werbeagenturen betreut.

Einhergehend mit der wachsenden Kurzlebigkeit der Informationen und der sich immer schneller vollziehenden Innovationen nimmt der Einfluss der Medien zu. Die aktuelle Berichterstattung gewinnt an Bedeutung, zumal sich die Stimmungen bei den Wählern in immer kürzeren Abständen wandeln.

Der Wahlkampf wird längst nicht mehr nur im Fernsehen, auf Plakaten oder Bühnen ausgetragen. Er findet im Internet und hier vorzugsweise in den sozialen Netzwerken statt. Die sozialen Medien werden zunehmend von den Kandidaten der Parteien im Bundestagswahlkampf einbezogen. Dabei scheut manche Partei oder mancher Politiker nicht, sogenannte Social Bots einzusetzen – also Computerprogramme, die wie richtige Nutzer in sozialen Netzwerken agieren. Mit Unterstützung von Big-Data-Algorithmen finden Social Bots die anvisierten Zielgruppen und senden den Wählern individuelle Botschaften einschließlich Wahlversprechen zu, um sie nachhaltig zu beeinflussen.

Betrachtet man die Websites der Kandidaten Angela Merkel und Martin Schulz im Kampf um Wählerstimmen, so scheint die amtierende Bundeskanzlerin in den sozialen Medien besser aufgestellt zu sein als das SPD-Team. Dafür spricht u.a., dass Merkel bei Facebook deutlich mehr Follower gewinnen konnte (ca. 2.4 Millionen) als der Herausforderer (ca. 313.000). Andererseits wird der Twitter-Auftritt der Bundeskanzlerin durch eine Vielzahl von Fake-Accounts attackiert.

Alle wichtigen Informationen zum „Medienwahlkampf Bundestagswahl 2017“ (Stand: Juni 2017) wurden kompakt in einem Dokument zusammengestellt (s. PDF)