Verschwörungstheorien

Von Prof. Dr. Alfred-Joachim Hermanni

Sollen wir Verschwörungstheorien ernst nehmen?

Zunächst einmal steht der Begriff „Verschwörungstheorie“ dafür, dass erstens die betreffenden Intrigen geplant wurden, zweitens im Verborgenen, und drittens die Komplotte in einem Zusammenhang stehen, bei dem Personen und Institutionen miteinander verknüpft sind.

Gegenwärtig diskutieren wir in der Kommunikationswissenschaft die Entwicklung von Verschwörungstheorien bspw. im Kontext zur Corona-Pandemie, Bill-Gates-Stiftung, 5-G-Technologie und zum Klimawandel. Ehemalige TV-Nachrichtensprecher bzw. Radio-Moderatoren wie Eva Herman und Ken Jeb werben beispielsweise als sogenannte Aufklärer in Internetforen für ihre populären Verschwörungsansätze und mögliche Szenarien, ohne mit verlässlichen Quellen und wissenschaftlichen Nachweisen zu argumentieren.

Wer mit gesundem Menschenverstand und Sachkenntnis die Anschuldigungen überprüft, geht nicht davon aus, dass das Corona-Virus aus einem Biowaffenlabor von Bill Gates stammt, um Impfungen durchzuführen. Oder dass Bundeskanzlerin Merkel nach Südafrika entführt und durch eine Doppelgängerin ersetzt wurde. Oder dass unter dem Deckmantel des Klimaschutzes die Gesellschaftssysteme radikal umgebaut werden sollen. Sogar die Medien selbst sind häufig Gegenstand von Verschwörungstheorien gewesen. Denken Sie hier beispielsweise an die Begriffe „Systemmedien“ oder „Lügenpresse“, die den essenziell wichtigen Informationsaustausch in einer freien Gesellschaft gefährden.

Aber Vorsicht: Die Gefahr bei den Verschwörungstheorien besteht darin, dass auch absurde Aussagen eine virulente Debatte auslösen können und sich die Gesellschaft mit den irrelevanten Behauptungen auseinandersetzt. Im Zuge dessen werden Geschichten erzählt, die durchaus einen Kern Wahrheit enthalten können, und deshalb – problematisch zugespitzt – auch funktionieren.

Insofern ist es Aufgabe der Kommunikationswissenschaft auf die Manipulationen und Machenschaften der Verschwörungstheoretiker durch eigene Forschung, transparente Recherche und sachkundige Quellennachweise aufmerksam zu machen. Das Forschungsnetzwerk „Comparative analysis of conspiracy theories in Europe”, das von der EU unterstützt wird, befasst sich schwerpunktmäßig mit Verschwörungstheorien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft: https://conspiracytheories.eu/