Journalismus

Von Prof. Dr. Alfred-Joachim Hermanni

Das Thema Journalismus wird in dem Buch „Das Diktat der Medien. Wie unsere Meinungen manipuliert werden“ nachhaltig aufgegriffen und charakterisiert die Rolle der Ethik im Journalismus. Es geht mir darum, die Bedeutung einer journalistischen Berufsethik aufzuzeigen, die eng mit dem Baustein Verantwortung in der Berichterstattung verknüpft ist.

Die Medien als die wichtigsten Vermittler von Informationen haben in unserer Gesellschaft eine herausragende Verantwortung. Zuweilen, wie erst jüngst in der Barschel-Affäre[1], rückt diese Tatsache scharf in das öffentliche Bewusstsein, zu anderen Zeiten blieb sie eher im Hintergrund.  Aber sie ist immer da.

Hierzu möchte ich zugleich eingangs verstellen:  Eine lebensfähige Demokratie setzt den informierten Bürger voraus. Deshalb muss im Mittelpunkt der journalistischen Berufsethik die Verantwortung vor der Wahrheit in der Berichterstattung stehen, getreu dem alten Grundsatz, dass die Wahrheit gedrückt, aber niemals unterdrückt werden kann.

Ohne einen Wahrheitsanspruch kann keine Gesellschaft auskommen, da mit Nicht-Wahrheiten – Lügen, Täuschungen, inhaltsschweren Auslassungen – ein Zusammenleben auf Dauer unmöglich wird. Informationen müssen deshalb den Tatsachen entsprechen; anders ist eine verbindliche Kommunikation in unserer Demokratie nicht möglich, da sie auf dem öffentlichen Kreislauf der Meinungs-, Willens- und Entscheidungsbildung basiert. 

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Rechtsprechung immer wieder bekräftigt, dass die Freiheit der Medien für die Demokratie schlechthin konstituierend sei und die Demokratie ohne sie nicht funktionsfähig.  Für die breite Öffentlichkeit sind die Medien oftmals die einzige, zumindest aber wichtigste Informationsquelle. Deshalb muss der Öffentlichkeit ein reales Weltbild und nicht ein Zerrbild dieser Welt vermittelt werden, und somit dürfen auch keine Kommunikationsbarrieren aufgebaut werden, wie sie seinerzeit der britische Premier Winston Churchill tolerierte,  wenn er sagte: „Nur Kinder, Narren und sehr alte Leute können es sich leisten, immer die Wahrheit zu sagen.“[2]

Wo der Prozess der Manipulation in Gang gesetzt wird, steht an dessen Ende der Verlust aller ethischen Normen.  Dies ist zugleich das Ende einer funktionierenden Demokratie, die auf wahre und damit lebensfähige Kommunikation sowie auf den Konsens gemeinsamer Werte (Grundwerte wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit,  Freiheit,  Toleranz) angewiesen ist. 


[1] Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) tritt im Zuge der sogenannten Waterkantgate-Affäre am 2. Oktober zurück. Neun Tage später wird er tot in einem Genfer Hotel aufgefunden. Die Umstände seines Todes bleiben bis heute ungeklärt.

[2] Vgl. https://www.zitate.eu/author/churchill-winston-spencer-sir. Zugriff: 11.02.2019

Rezensionen (u.a.) zum Buch “Das Diktat der Medien. Wie unsere Meinungen manipuliert werden”:

“Hermanni diagnostiziert richtig, dass die Macht der Medien schneller gewachsen ist als das demokratische Verantwortungsbewußtsein vieler Journalisten.” Prof. Dr. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann, Institut für Demoskopie Allensbach

“Die Publikation zeichnet sich durch Offenheit und couragierten Einsatz für ein Problem aus, das seit geraumer Zeit in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung bevorzugt behandelt wird, nachdem es jahrzehntelang vernachlässigt wurde.  […] Dies tut er, indem er mit einer erstaunlichen Fülle von Beispielen aus den Medienproduktionen der letzten Jahre aufwartet und so auf vielfältige Weise die Abweichung von der Norm veranschaulicht. Doch er begnügt sich nicht mit diesen Hinweisen, sondern versucht eine Systematik. Sie enthält sowohl Abweichungen als auch Warnungen und Vorschläge für das richtige publizistische Handeln.” Prof. Dr. Franz Ronneberger, Institutsdirektor an der Universität Erlangen-Nürnberg 

“In einem Jahr, in dem die Affäre Barschel in Kiel die Frage ‘Was dürfen Journalisten?’ aktueller wurde denn je, ist ein Buch, das sich die journalistische Berufsethik zum Thema macht, notwendiger denn je.” Dr. Peter Glotz, MdB und SPD-Bundesgeschäftsführer a.D.

“Sehr informatives Material … Das Plädoyer für Selbstkontrolle der Medien ist zu begrüßen.” Volker Schulze, Geschäftsführer, Bundesverband deutscher Zeitungsverleger

Verlag Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1988

Als Journalist gilt es den Rezipienten eine ausgewogene und faire Berichterstattung – quer über die Parteigrenzen hinweg – zu gewährleisten.Der Chefredakteur von EUREKA TV/später PRO7, Alfred-Joachim Hermanni, Ende der 1980er Jahre im Gespräch mit Gerold Tandler, Generalsekretär der CSU und Bayerischer Staatsminister der Finanzen. Unteres Bild: Peter Glotz, Bundesgeschäftsführer der SPD, beim Interview mit Alfred-Joachim Hermanni.