Funktioniert Digitalisierung in Deutschland?

Untersuchung zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von DAX-Unternehmen während der CoronaPandemie

Von Prof. Dr. Alfred-Joachim Hermanni

Von heute auf morgen wurden im März 2020 rund 20 Millionen Online-Arbeitsplätze eingerichtet und der Datentransfer zwischen den Rechnern der Organisationen und denen im Homeoffice sichergestellt.[1] In Homeoffices wurden auf schnellstem Wege Telearbeitsplätze eingerichtet (z.B. von der DATEV für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte), Kollaborationssoftware eingesetzt (z.B. von SAP oder Telekom) und Online Meetings durchgeführt (Videokonferenzen beispielsweise über Skype, Zoom und Adobe Connect).

Laut dem Digitalverband Bitcom verbringt gegenwärtig jeder zweite Berufstätige seinen Arbeitstag vor dem Computer.[2] Dies gilt insbesondere für Menschen, die einen Schreibtischjob haben, wobei dazu vor allem Angestellte in der Finanzbranche, bei Versicherungen, IT und Beratung zählen. Über die privaten Internetverbindungen verläuft während der Corona-Pandemie ein signifikant höherer Datenverkehr, wobei auch mitunter große Datenmengen ausgetauscht werden. Die Netze von Telekom, Vodafone, O2, 1&1 & Co. halten jedoch den Datenverkehr aus, da eine physische Grenze für die Datenrate an den Internetknoten praktisch nicht existiert. Gegebenenfalls werden die Kapazitäten weiter ausgebaut, verspricht die Telekom, das mit Internet, Telefon, TV und Mobilfunk eines der größten Netze weltweit betreibt. Wer im Homeoffice überwiegend mit Office-Dateien wie Excel, Word oder PowerPoint arbeitet oder Mails versendet, belastet in der Regel sowieso kaum die Internetverbindung.

Aber wie beurteilen DAX-Unternehmen und Arbeitnehmer*innen die Chancen der digitalen Arbeitswelt 4.0 angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise? Und welche Erkenntnisse haben sie bei der forcierten Umstellung von Büroarbeit auf Remote Working/Homeoffice gewonnen?

Zehn Quellen mit ähnlichen Erfahrungen

Für eine Studie befragte der Autor zehn der größten, umsatzstärksten und an der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten Unternehmen des Deutschen Aktienindex (DAX), inwiefern  der Informationsaustausch zwischen den Organisationen und ihren Mitarbeitern*innen über Computerarbeitsplätze im Homeoffice weitgehend sichergestellt werden konnte. Führende DAX-Unternehmen (adidas, Allianz, BASF, Bayer, BMW, Deutsche Bank, E.ON, SAP, Siemens und Telekom) beteiligten sich im II. Quartal 2020 an der schriftlichen Expertenbefragung. Zuvor wurden im Rahmen einer dimensionalen Analyse Ideen zum Untersuchungsgegenstand gesammelt, systematisiert und untersuchungsrelevante Dimensionen selektiert, die eine theoretische Relevanz aufweisen. Während zwei Unternehmen auf die fünf standardisierten Fragen ganz allgemein antworteten, lieferten acht konkrete Angaben.

Die erste Frage lautete: Wie viele Mitarbeiter*innen wurden ins Homeoffice geschickt, um von dort aus ihren beruflichen Tätigkeiten nachzugehen?

„Der Großteil unserer Mitarbeiter arbeitet, wie viele andere auch, bedingt durch die Ausbreitung des Coronavirus momentan von Zuhause. In unserer Zentrale in Herzogenaurach dürfen Mitarbeiter 20% ihrer Arbeitszeit ohnehin außerhalb des Campus verbringen.“ (adidas)

„Zur Zeit über 80% der Allianz Mitarbeiter global nicht vom Büro aus arbeiten sondern von zu Hause, und wir hätte die technischen Möglichkeiten, bis auf 100% Telearbeit zu gehen. Freilich gibt es eine geringe Anzahl von Mitarbeitern, etwa im Bereich Gebäudemanagement und Technik, Sicherheit oder IT, deren physische Anwesenheit in unseren Gebäuden nach wie vor notwendig ist. Und es gibt solche, die zur Zeit ihren Urlaub abbauen.“ (Allianz SE)

„Derzeit arbeiten mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen von zuhause, also knapp 35 % aller BASF-Mitarbeiter weltweit. Remote Working/Homeoffice war bei der BASF bereits vor der Corona-Pandemie möglich und in einigen Arbeitsbereichen verbreitet.“ (BASF)

„In Deutschland – wie in allen anderen von COVID-19 betroffenen Ländern – sind praktisch alle Beschäftigten, die im Unternehmen eine Bürotätigkeit ausüben, seit Mitte März ins Home Office gewechselt. Produktionsbetriebe und Forschungseinrichtungen sind unter erhöhten hygienischen Sicherheitsvorkehrungen weiterhin besetzt. Der genaue Prozentsatz der Beschäftigten, die von zuhause arbeiten, ist mir leider nicht bekannt.“ (Bayer)

„Aktuell arbeiten global knapp 50.000 User remote, in EMEA ca. 42.000. Wir bauen aktuell weiter aus und können bis zu 70.000 User für ein Arbeiten remote befähigen.  Bei uns wird das Instrument dort eingesetzt, wo es den Mitarbeitern und dem Unternehmen am meisten dient:

  • Beim Abfedern von Quarantänemaßnahmen.
  • Um Kinderbetreuung zu ermöglichen.
  • Um Teams zu bilden, die sich rollierend zwischen Mobilarbeit und Präsenz abwechseln.
  • Zudem folgen wir der Empfehlung der Bayerischen Landesregierung und prüfen, welche Umfänge durch Mobilarbeit dargestellt werden können.“ (BMW)

„Noch nie zuvor haben so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Bank gleichzeitig von zuhause aus gearbeitet. Zu Spitzenzeiten sind es 60.000 – eine beispiellose Anzahl aufgrund der Corona-Pandemie. Zuvor waren es in Spitzenzeiten bis zu 20.000 Mitarbeiter. Wobei die Anzahl der Kollegen, die von zuhause aus arbeiten, von Region zu Region unterschiedlich ist.  So kommen wir beispielsweise aufgrund des strikten Lockdown-Szenarios in Indien in Mumbai derzeit auf nahezu 100% Homeoffice. Das ist hingegen in Deutschland wegen der geöffneten Filialen der Deutschen Bank und der Postbank nicht zu erreichen – und auch nicht sinnvoll, da Banken sowie Dienstleistungen der Postbank zur systemkritischen Infrastruktur gehören, die den Bürgern gerade in diesen Zeiten weiterhin zur Verfügung stehen.“ (Deutsche Bank)

„Da E.ON in Deutschland (und in vielen weiteren europäischen Ländern) mit eigenständigen regionalen Tochterunternehmen tätig ist, waren und sind wir in der Lage, auf die Herausforderungen der Coronakrise sehr spezifisch und ortsbezogen zu reagieren. Es gibt aber aus diesem Grund leider keine konzernweiten Zahlen oder Erhebungen, mit denen sich Ihre Fragen allgemein und dennoch gesichert beantworten ließen.“ (E.ON)

„Es ist so, dass der größte Teil der Belegschaft in Deutschland mobil arbeitet. Weltweit sind bei Siemens seit Mitte März im Schnitt 130.000 Mitarbeiter aus aller Welt von zu Hause aus mit dem Intranet verbunden – fast viermal so viele wie üblich.“ (Siemens)

„100 Prozent.“ (SAP)

„Wir haben zu Monatsbeginn mit Hochdruck daran gearbeitet, dass der Großteil unserer Belegschaft remote arbeiten kann. Aktuell können über 80.0000 im Home Office arbeiten. Dabei ist die Service-Situation weiterhin stabil.“ (Telekom)

Frage 2: In welchem Zeitraum (bspw. 24 Stunden, über mehrere Tage oder Wochen) konnte die technische Umstellung – vom Büroarbeitsplatz zum Homeoffice-Arbeitsplatz – abgewickelt werden?

„Das Thema Telearbeit und Home Office ist für die Allianz nicht neu, und unsere Digitalisierungsstrategie, sowie der Ausbau der technischen Möglichkeiten um den Mitarbeitern flächendeckend einen sicheren Zugang zum Allianz Netzwerk zur Verfügung zu stellen, haben sich ausgezahlt und gerade in dieser Krise bewährt. Ein Großteil der Allianz Belegschaft hat lange vor der Krise bereits von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, home office und remote working gehören für uns seit Jahren zum Arbeitsalltag.“ (Allianz SE)

„Remote Working/Homeoffice war bei der BASF bereits vor der Corona-Pandemie möglich und in einigen Arbeitsbereichen verbreitet. Die bestehende Infrastruktur konnte genutzt werden und wurde zeitnah an die höhere Zahl von Nutzern angepasst.“ (BASF)

„Home Office und mobiles Arbeiten sind für Angestellte im Bayer-Konzern seit langem etablierte Arbeitsformen und wurden auch schon vor der Corona-Krise von vielen Mitarbeitern regelmäßig genutzt, wenn auch meist nur tageweise. Unsere Mitarbeiter sind zudem standardmäßig mit Laptops und Smartphones ausgestattet, so dass die technischen Voraussetzungen in Bezug auf die persönliche Hardware für einen sofortigen Wechsel ins Home Office bereits gegeben waren. Wir haben es den Beschäftigten darüber hinaus erlaubt, für die Arbeit benötigte Hardware wie Großbildschirme von ihrem Arbeitsplatz mit nach Hause mitzunehmen. Außerdem konnten die Mitarbeiter zwischenzeitlich weitere Arbeitsmittel wie Headsets nachbestellen und sich nach Hause liefern lassen.“ (Bayer)

„Der Einsatz von flächendeckender Mobilarbeit wird den unterschiedlichen Anforderungen des Unternehmens nicht gerecht. Mitarbeiter, bei denen Homeoffice Sinn macht, sind ohnehin mit entsprechender Hardware ausgestattet und konnten sofort vom Büro zum Homeoffice-Arbeitsplatz wechseln. Die Anmeldezugriffe (VPN, RSA, YubiKey) werden laufend ausgebaut und neue Netzwerkknoten geschaffen. Somit ist die BMW Group auch in Punkto ‚digitale Arbeitsbefähigung‘ sehr flexibel aufgestellt.“ (BMW)

„Dadurch, dass wir die Home Officeregelung schon länger bei SAP leben, gab es hier keine Probleme sich zu Hause einzufinden.“

„Damit sich viele Mitarbeitern möglichst sicher von zu Hause ins Siemens-Netzwerk einloggen können, haben Siemens-IT-Experten zu Beginn der Corona-Krise Mitte März innerhalb von nur 24 Stunden rund 140.000 Mitarbeitern einen stabilen Intranet-Zugang eingerichtet – und dabei auch eine ähnlich gute Cybersicherheit wie im Büro geschaffen.“ (Siemens)

„Innerhalb von nur einer Woche hat das Unternehmen 16.000 Mitarbeiter aus ihren Servicecentern mit Rechnern und IT ausgestattet und remote-fähig gemacht. Sie kümmern sich jetzt aus dem Homeoffice heraus um alle Kundenanliegen.“ (Telekom)

Frage 3: Kam es vom Homeoffice-Arbeitsplatz aus zu Problemen mit den privaten Internetverbindungen aufgrund des signifikant höheren Datenverkehrs, beispielsweise bei Videokonferenzen, Online-Meetings und bei Uploads?

„Die Freischaltung von zusätzlichen Kapazitäten in der Krise hat wenige Tage in Anspruch genommen, das Geschäft konnte weitergeführt werden, unsere Kundenservice ohne Einschränkungen aufrechterhalten werden.“ (Allianz SE)

„Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wurde in der BASF-Netzwerkinfrastruktur die Zahl der VPN-Zugänge vergrößert, um der erhöhten Zahl an Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. VPN steht für Virtual Private Network und dient dem verschlüsselten Austausch von Daten zwischen zwei Netzwerken oder mobilen Endgeräten und einem Netzwerk. Die VPN-Infrastruktur ermöglicht es den Mitarbeitern, sich von zuhause mit ihrem BASF-PC mit dem BASF-Netzwerk (dem VPN Gateway) zu verbinden. Auf diese Weise können Mitarbeiter sicher aus dem Homeoffice auf Anwendungen im BASF-Netzwerk oder andere geschäftskritische Anwendungen zugreifen. Auch die Kapazität der Verbindungen vom BASF-Netzwerk ins Internet wurden verdoppelt.“ (BASF)

„Wir haben bereits vor dem flächendeckenden Wechsel unserer Angestellten ins Home Office die Kapazitäten unseres VPN-Netzwerks deutlich erhöht, so dass die vorhandenen Kommunikations-Tools und Cloud-Anwendungen auch von zuhause sofort weitgehend reibungslos funktionierten.“ (Bayer)

„Größere Probleme sind uns nicht bekannt.“ (BMW)

„Unsere Bank bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit vielen Jahren die Möglichkeit zum flexiblen und mobilen Arbeiten an und war bzw. ist daher entsprechend technisch ausgestattet. Daher konnten wir in der aktuellen Situation schnell und flexibel reagieren. Dementsprechend haben wir jeweiligen regionalen und landespezifischen Vorgaben stets zügig umsetzen können.“ (Deutsche Bank)

„Nicht, dass uns bekannt ist.“ (SAP)

„Im Großen und Ganzen nein, zumal mobiles Arbeiten bei Siemens seit Jahren normal ist und unsere IT-Experten auch frühzeitig zusätzliche Kapazitäten geschaffen haben.“ (Siemens)

„Unser Netz ist stabil. Unsere Experten modellieren aktuell alle möglichen Lastszenarien für die nächsten Tagen und Wochen. Weiterhin beobachten wir die Lage weiter ganz genau. Wir haben Sonderteams, die das Netz rund um die Uhr beobachten, um hier bei Bedarf und wo möglich immer direkt nachzusteuern. Damit Online-Dienste reibungslos funktionieren, müssen viele Dinge zusammengreifen. Ein Kundenerlebnis setzt sich nicht nur aus dem Netz selbst, sondern auch aus den Serverkapazitäten von den jeweiligen Unternehmen die Onlinedienste anbieten zusammen. Aber auch hier stehen wir in Kontakt mit den Diensteanbietern.“ (Telekom)

Frage 4: Haben Mitarbeiter*innen, die den notwendigen digitalen Wandel der Gesellschaft und Wirtschaft bisher ignoriert oder vernachlässigt haben, durch die Corona-Krise besser verstanden, dass der Wandel erforderlich ist und schnell gestaltet werden muss?

„Wir erleben, dass die Mitarbeiter sehr kooperativ reagieren und die Umstellung annehmen, das sehen wir auch an der Arbeitsleistung, die auf gleichem Niveau geblieben ist.“ (Allianz SE)

„Wir haben bereits vor einigen Jahren mit der Workforce Enablement Initiative angefangen, um unsere Mitarbeiter auf die moderne Arbeitswelt (auch Homeoffice) vorzubereiten. Die BASF-Initiative richtet sich an digitale Einsteiger und Experten sowie an alle BASF-Führungskräfte, die gerne mehr über die unterschiedlichen Facetten des digitalen Wandels erfahren möchten und anhand verschiedener Lernformate ihre Kompetenzen für eine digitalisierte Arbeitswelt stärken möchten. Das „Ways of Working Center” des Workforce Enablement Teams führt beispielsweise regelmäßig globale virtuelle Info-Sessions durch, in denen Mitarbeitern moderne Arbeitsweisen vorgestellt werden und erklärt wird, welche neuesten IT-Tools sich für welche Anwendung am besten eignen.“ (BASF)

„Die Nutzung und Akzeptanz der im Bayer-Konzern vorhandenen Online-Anwendungen und Kommunikations-Tools durch die Beschäftigten ist infolge Corona-Krise zweifellos deutlich gestiegen. Die Krise stärkt die virtuelle Zusammenarbeit und die Nutzung digitaler Tools. Das ist für einen internationalen Konzern sehr wichtig.“ (Bayer)

„Für die BMW Group sind flexible Arbeitszeitinstrumente wie Mobilarbeit, Arbeitszeitkonten etc. schon lange selbstverständlich. Die Rahmenbedingungen für Mobilarbeit sind zwischen Arbeitnehmervertretung und Unternehmensführung in einer Betriebsvereinbarung geregelt.“ (BMW)

„SAP ist hier Vorreiter in Deutschland. Die IT Branche ist eine sich schnell weiterentwickelnde Branche und dementsprechend erfolgen Anpassungen sehr schnell. Um dafür auch gerüstet zu sein, haben wir schon ein paar Jahre entsprechend auch die Bedingungen kontinuierlich verbessert und Home Office war eines davon.“ (SAP)

„Ich kenne ehrlich gesagt keine Mitarbeiter, die den digitalen Wandel bisher ignoriert oder vernachlässigt haben, zumal Digitalisierung ein Schwerpunkt aller Geschäftsaktivitäten von Siemens ist und Siemens den digitalen Wandel geradezu mitgestaltet. Diese digitale Kompetenz kommt uns auch bei mobilen Arbeitsabläufen zugute.“ (Siemens)

„Unser Unternehmen und die Mitarbeiter stehen für den Digitalen Wandel.“ (Telekom)

Frage 5: Zeigt sich angesichts der Corona-Pandemie, dass Mitarbeiter*innen in Deutschland den digitalen Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 weitgehend gewachsen sind?

„Die Allianz Agenturen konnten hier von dem bereits seit über 10 Jahren eingeführten ‚Digital Agency‘ Programmen profitieren, und es wurden zusätzliche Kapazitäten für den angestellten Vertrieb geschaffen, indem binnen weniger Tage in den Geschäftsstellen der sichere Zugang zum Allianz Netzwerk auch über die eigenen ‚devices‘ (Notebooks usw.) gewährt wurde.“ (Allianz SE)

„Durch Aktivitäten innerhalb der digitalen Transformation und durch eine sich verändernde Belegschaft (demografischer Wandel, Generation Y und Z) verändert sich bei BASF das Nutzerverhalten vermehrt hin zu modernen Kollaborationstools, die meist Chat- und Konversationsfunktionalitäten beinhalten. Die Corona-Krise bekräftigt zusätzlich diesen Transformationsprozess, da die Nachfrage an virtueller Zusammenarbeit deutlich zugenommen hat.“ (BASF)

„Unsere gesamte Organisation und insbesondere die flächendeckend ins Home Office gewechselten Verwaltungsfunktionen haben sich bislang als äußerst robust und anpassungsfähig erwiesen. Ihre Arbeitsfähigkeit und Produktivität haben sich auch unter den veränderten Bedingungen nicht verringert, was vor allem auf die intensive und souveräne Nutzung der digitalen Möglichkeiten und Instrumente durch die Beschäftigten zurückzuführen ist. Insofern können wir die Frage für den Bayer-Konzern in Deutschland eindeutig bejahen.“ (Bayer)

„Wo es betrieblich möglich und sinnvoll ist, empfehlen wir Mobilarbeit. Auch die Führung von virtuellen Teams über einen längeren Zeitraum stellt sicher eine Herausforderung dar. Dazu geben wir unseren Führungskräften entsprechende Tipps und Hinweise an die Hand. Zum Beispiel: Wie stärkt man den Zusammenhalt im Team oder wie führe ich noch stärker über Ziele.“ (BMW)

„SAP ist auch schon vorab für die Herausforderung der Arbeitswelt 4.0 gerüstet gewesen. Für uns stellt die Krise keine gesonderte Herausforderung dar und wir konnten unsere Arbeit wie gehabt fortsetzen.“ (SAP)

„Im Großen und Ganzen ja, aber das ist eine kontinuierliche Aufgabe. Lebenslanges Lernen ist keine Floskel, sondern essenziell und wird bei Siemens auch gelebt.“ (Siemens)

„Die Ergebnisse sprechen für sich. Wenn 80.0000 im Home Office arbeiten, so sollte man davon ausgehen können.“ (Telekom)

Die Ergebnisse signalisieren Zuversicht

Sogar in einem Ausnahmezustand – wie aufgrund einer Pandemie – konnte die schnelle Umstellung und somit die digitale Arbeitsbefähigung zehntausender Mitarbeiter*innen vom Büroarbeitsplatz zum Homeoffice-Arbeitsplatz innerhalb eines kurzen Zeitraums (sofort, innerhalb weniger Tage) sichergestellt werden.

Des Weiteren lässt sich bestätigen, dass die Kommunikationstools, Cloud-Anwendungen und Virtual Private Networks weitgehend reibungslos funktionierten (s. Abb. 1).

Bedingt durch die Corona-Krise konnte weltweit ein Testlauf im Hinblick auf die Arbeitswelt 4.0 durchgeführt werden. Nach Angaben der DAX-Konzerne nehmen die Mitarbeiter den Transformationsprozess an und zeigen Verständnis für den digitalen Wandel. Darüber hinaus ist infolge der Corona-Krise die Nachfrage an virtueller Zusammenarbeit bei einigen DAX-Unternehmen gestiegen, ausgelöst auch durch den demografischen Wandel (s. Abb. 2).

Interpretation und Fazit

Wenn Mitarbeiter*innen von großen Unternehmen wie Allianz, Bayer, Deutsche Bank oder Siemens relativ unkompliziert vom Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung aus arbeiten können, dann wird die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sichtbar. Insofern sollte auch die Relevanz des Internets im täglichen Leben nicht infrage gestellt werden.

Angesichts der Corona-Pandemie zeigt sich, dass Mitarbeiter*innen der DAX-Konzerne den digitalen Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 in Deutschland gewachsen sind, wenn sie sich den Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation in Unternehmen stellen. Spätestens jetzt sollten sie sich darüber Gedanken machen, inwiefern eine Weiterbildung im Bereich Digitalisierung undeine berufliche Um- und Neuorientierung erforderlich wird.

Für Unternehmen bietet das digitale Zeitalter diverse Optionen, eine digitale Infrastruktur aufzubauen, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und neue, zukunftsorientierte Geschäftsmodelle zu entwickeln.


[1] Im Februar 2020 waren laut Statistischem Bundesamt rund 45,02 Millionen Erwerbstätige mit Wohnort in Deutschland registriert.

[2] Vgl. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-zweite-Mitarbeiter-sitzt-am-Computer.html